Der Unheilvolle Tag

Wie alles begann..

Es begann im Oktober 2017 mit zu nehmenden Zahnschmerzen.

Im Rahmen meiner jährlichen Zahn Prophylaxe erzählte ich von meinem stärker werden Schmerz unten hinten links. Nach einer Begutachtung seitens des Zahnarztes konnte er nichts auffälliges entdecken.

Also schnell eine Röntgen Aufnahme gemacht.

Oha, sagte er, ein prächtiger Weisheitszahn!

Da er sich nicht im stande sah diesen zu entfernen, gab er mir den Kontakt eines guten Kieferchirurgen.

Ein Termin wurde schnell gemacht und aufgrund der stärker werdenden Schmerzen auch nur wenige Tage später. Am Tag des Eingriffs hatte ich doch schon Schiss davor, weil ich nicht gerade gerne zum Zahnarzt geschweige den zum Kieferchirurgen gehe.

Der Dr.Dr.M…( auf die doppelung des Titels komme ich noch zu sprechen) war eine Vertretung des Chefs, weil der irgendwo im Ausland operierte. Was sich hinterher als mein Lebensretter herausstellte.

Vorher musste ich noch die Aufklärung über die Risiken und Nebenwirkungen dieses Eingriffes unterzeichnen. Nach einer Betäubung ging es los.

Nach einer 3/4 Stunde gebohre und gewühle in meinem Mund nähte der Arzt die Wunde wiederum ordentlich zu, und ich fuhr mit tauber Fresse in der U- Bahn nach Hause.

10 Tage später kam ich das erste mal zum Fäden ziehen, das alles noch doll angeschwollen war musste ich einige Tage später nochmals hin.

Mit dem Hinweis drüber nach zu denken, die anderen 3 Weisheitszähne doch auch entfernen zu lassen. Ich lehnte dankend ab, mein Bedarf an Zahnarzt ist erstmal ausreichend gedeckt.

Einige Tage später klingelte mein Mobiltelefon auf der Rückfahrt einer Geschäftsreise mit der netten Sprechstundenhilfe dran, mit der Bitte noch einmal in die Praxis für ein Gespräch zu kommen.

Da ich direkt nach der Reise in Urlaub fuhr, verabredeten wir uns auf 9 Tage später.

Selbstsicher erschien ich zum besagten Termin in der Kieferchirurgen Praxis. Ich wollte keinen weiteren Eingriff.

Meine Frau war mit, weil wir beide noch ein paar Tage Urlaub hatten. Sie nahm im Wartebereich Platz. Wir wollten danach noch Bummeln, im nahe gelegenen Einkaufszentrum Quaree.

Der Chef Dr.Dr.A.. war von seiner Reise auch zurück und schüttelte mir, so wie ich es wahrnahm leicht bedrückt die Hand. Wieso sollte ich gleich erfahren.

Eine Untersuchung meiner anhänglichen Zyste des Zahnes wurde im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf in der Pathologie durchgeführt.

Weil die sich wohl nicht ganz sicher waren, ob es das ist was Sie vermuten, wurde meine Probe nach Bern in ein Spezielles Labor gesendet.

Mit dem Befund stand er nun vor mir und sprach die Worte die kein Mensch hören möchte :

“LEIDER MUSS ICH IHNEN MITTEILEN, DAS SIE EINEN BÖSARTIGEN KREBS TUMOR IM KIEFER HABEN“

Mein Gehirn hat überhaupt nicht verstanden, was ich gerade gehört habe.

Ich müsste mich sofort in ein Krankenhaus begeben und das behandeln lassen.

Kurzes Gespräch noch, Verabschiedung, eine Kollegin kam rein mit roten Kopf und überreichte mir einige Zettel mit der Telefonnummer der MGK Mund Kiefer Gesichts Ambulanz im Krankenhaus Asklepios Nord ( Heidberg)

Ich völlig ohnmächtig raus, meiner Ehefrau ein schnelles Zeichen gegeben, auf die Straße raus, da konnte ich es nicht mehr zurück halten und heulte einfach drauf los.

Meine Frau völlig entsetzt was den los sei. Unter schlurzen und Tränen stammelte ich ihr die böse Nachricht.

Ich wollte sofort aus der Öffentlichkeit raus und haben uns ins Auto gesetzt und uns in Tränen umarmt. Während ich das hier schreibe bin ich den Tränen nah.

Nach einiger Zeit hatte ich mich wieder unter Kontrolle und rief die mir genannte Telefonnummer des MKG an.

Einen Termin erhielt ich erst in drei Tagen.

Diese drei Tage waren die Hölle.

Mit dem Wissen eine Krebserkrankung zu haben, war es kaum zu ertragen.

Aber wir sollten uns schon mal ans Warten gewöhnen. Das wussten wir da aber noch nicht.

Ich habe glaube ich noch nie so viel geweint, wie in den nächten Wochen.

Kurze Zeit davor verstarb plötzlich noch zu aller Entsetzen,  unser enger Freund Tilo.

Drei Tage vor meiner Operation waren wir zu seiner Beisetzung.

Durch Tilo haben meine Frau und ich uns vor 21 Jahren kennengelernt.

Ganz plötzlich und unerwartet ist er mit nur 57 Jahren an einem Herzinfarkt von uns gegangen.

Bei der Trauerfeier war es also für mich doppelt schwer. Sehr tragisch besonders für seine beiden Kinder.

Seid dieser schrecklichen Diagnose fühle ich mich wie ohne Bodenkontakt freischwebend durchs Universum trudeln.
Ich kann es selbst 11 Monate danach kaum in Worte fassen.
Meine Stimmung- tiefer ging nicht mehr –

Noch heute bin ich Psychisch nicht wieder auf der Höhe. Dazu später mehr.

Vor weg muss ich schreiben, dass ich weder Rauche noch Alkohol (sehr selten und wenig) trinke.

Weil das alle Ärzte als erstes Fragen!

Als dann ich am Donnerstag den 30.November 2017 dort in der Ambulanz an kam, herrschte dort reges Treiben und das Wartezimmer war gut gefüllt.

Hier verbringe ich in der Zukunft viele Stunden des Wartens. Auch das weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde ich aufgerufen.Der Herr Dr. Dr. L…. untersucht mich eingehend und sagt mir schonungslos und offen die Wahrheit. Ich gehe sofort in den Computerthomographen „CT “ um Bilder von meinem Kopf bzw Kiefer und Lymphen zu erstellen.

Dort kam ich auf den verstellbaren Rolltisch, das Ding surrt und macht Lärm( etwas leiser wie ein MRT )

Das Ergebnis war folgendes:

Ich hätte einen bösartigen Plattentelkarzionom der sofort operiert werden muss.

Dazu würde mir ein Teil meines Unterkiefers entfernt, je nachdem was während der Operation sonst noch gefunden wird.

Das fehlende Stück Kiefer wird mit einer Titan Schiene ( ca. 5mm x 50mm ) und mit 6 Schrauben befestigt.Und die Lympdrüsen links wurden entfernt.

Heute war Donnerstag!

Am Sonntag sollte ich mich hier im Krankenhaus einfinden, die Operation findet Montag statt. Allerdings werden hier unter Vollnarkose nur die beiden Weisheitszähne oben gezogen.

Und eine Woche später die große Operation.

Vorher und das war wirklich schrecklich, wurden mir unter örtlicher Betäubung 4 Drähte unter und zwischen die Zähne geschoben um meinen Kiefer gerade zu fixieren. Um Narkose Zeit zu sparen machte das der Chefarzt Prof. Dr. Dr. K… persönlich und zeigte 2 anderen Ärzten in Ausbildung wie man das macht.

Um Operation im Mund Kiefer Gesichts Bereich machen zu können und dürfen muss ein Arzt erstmal Zahnmedizin studieren, seinen 1. Doktor machen um dann hinterher noch Gesichts Chirurgie zu studieren inklusive der 2. Doktorarbeit mit Abschluss. Zusammen gerechnet muss ein hier leitender Operateur 17 ( siebzehn!) Jahre lernen und sich Ausbilden lassen.

Und das wird in der MKG gelehrt und der Professor ist der Ausbilder.

Ein sehr erfahrener Arzt. Generell kann ich mich nur bei allen bedanken, die haben alle einen tollen Job gemacht.

In seine Hände sollte ich mich begeben.

Beim darauf folgenden Narkose Gespräch in der Anästhesie wurde mir Haarklein und genaue erklärt, welche Risiken und Nebenwirkungen und möglichen Gefahren da so passieren können.
Da würde mir Angst und bange. Du must hier alles Unterschreiben sonst findet keine Operation statt. Ob mir das Gefällt oder nicht. Lange Nachdenken war nicht drin. Ein Tipp dabei: bei der Frage : wo/wer soll die Nachsorge machen? Unbedingt das Krankenhaus. Hier sind alle Untersuchungen möglich. Das kann ein Hausarzt nicht leisten.

Unter anderem werden bei der OP die Nervenbahn des Gesichtsmuskel vom Ohr bis zum Mundwinkel durch trennt, weil da der Tumor sitzt. Ich habe heute kein Gefühl mehr dort – dauerhaft-

Innen wie außen, ich beiße mir häufig auf die Lippe oder in die Wange innen.

Wenn mir essen aus dem linken Mundwinkel läuft, spüre ich das nicht mehr, was mich sehr belastet und traurig macht.

Der erste Eingriff fand am Montag dem 4.12.17 statt. Die Weisheitszähne wurden entfernt. Mit richtig essen war es nun erstmal vorbei. Nur Breie und Flüssigkeiten für die nächsten 4-6 Wochen !! Positiver Nebeneffekt war, dass ich ca. 9 Kilogramm abgenommen habe.

Eine Woche später die große Operation mit entfernen von 2 cm Kieferknochen bzw. des bösartigen Tumors.

Ich wurde um 10:30 in Richtung Operationssaal gefahren und dort mit allen Überwachungssystemen angeschlossen und das letzte: die Narkose

Dann konnte ich noch bis 8 zählen = AUS

Ich wurde im Aufwachraum wieder wach, das stand die Uhr gegenüber auf 22:10 Uhr

Wahnsinn ich war 11 Stunden im OP Bereich.
Reine Zeit der OP sollen 3,5 Stunden gewesen sein.

Da lagen 5-7 frisch aus dem OP geschobene in diesem Raum, mit 2 Schwestern zur Überwachung.

Ich musste mich 2 x Übergeben, so plötzlich das ich nicht mal Bescheid sagen konnte. Ich kotzte die ganze Bettdecke voll. Viel Blut und allerlei Flüssigkeit.

Da hab ich mich so für geschämt! Die Schwester meinte, ist nicht schlimm und brachte mir eine frische Decke.

Nun hatte ich so ein Spuck Behältnis, welches ich noch zweimal in Gebrauch nahm.

Nach dieser 3,5 Stunden dauernden OP, brauchte ich mehrere Tage um mich davon zu erholen. Ich war im Bett gefesselt- Aufstehen war mir verboten.

Sehr fies war dann später das entfernen des Blasenkatheters = Aua, sehr aua!!!

Ich hatte einige Tage so einen Schlauch unter der Nase, wo ich Sauerstoff zu geführt bekam, weil meine Sättigung zu mau waren. An Schlafen war kaum zu denken. Das Gerät blubbert wie ein Gartenspringbrunnen. Ich hatte noch in meiner Wunde so einen Schlauch, damit das restliche Blut in die Flasche am Ende laufen konnte.

Das Ding raus gezogen zu bekommen = schön wenn der Schmerz nachlässt und das hässliche Geräusch dabei vom Unterdruck in der Wunde. Sehr unangenehm.

Meine linke Gesichtseite war stark geschwollen und musste immer mit Eispackungen gekühlt werden. Das habe ich bestimmt 3 Wochen rund um die Uhr gemacht.

Das ( flüssige) Essen hing mir ganz schnell im wahrsten Sinne des Wortes zum Hals raus.

Morgens, Mittags und Abends püriertes.

Lag das an meinen betäubten Geschmacksnerven – oder wurde das totgekocht?

Mit Strohhalm oder später mit einem kleinen Löffel.

Meine Liebe Frau Kirsten kam täglich mit zu Hause zu bereiteten Leckereien ( der Thermomix ist eine Wundermaschine )

Auch Flüssig, aber wenigstens lecker.

Meine Psychische Verfassung war eine Katastrophe mir ging es seelisch so schlecht, das es bemerkt worden ist und als ich das Bett verlassen durfte, ein Gespräch mit der Leitenden Oberärztin der Angeschlossenen Psychartrischen Abteilung hatte. Na ja ein Gespräch meinerseits ging gar nicht, weil ich nur geweint habe und kaum ein vernünftiges Wort heraus bekam.

Sie versprach Hilfe, aber weil zwei Oberärzte an einander vorbei redeten war ich mit meinem Kummer ganz alleine.

Eine Psychologische Betreuung hat nicht statt gefunden. Ich bekam eine Telefonnummer, von der Psychiatrie Ambulanz im AK Ochsenzoll.

Diese Nummer war tagelang nicht erreichbar, es lief ein Band auf das ich bestimmt 7 x mein Anliegen schilderte.

Irgendwann nach zwei Wochen rief mal jemand zurück um mir zu sagen ich sei bei ihr nicht richtig!! Ich bekam eine andere Telefonnummer = gleiches Spiel keiner ging ran =Anrufbeantworter wieder nichts. Mir ging es es echt dreckig- seelisch war ich echt am Ende.

Einige lieben Freunde und meine Schwiegereltern besuchten mich auf Station 7.

Nach 8 Tagen wurde ich dann entlassen.

Endlich wieder zu Hause und meine beiden Kater schmusen. Die kamen echt zu kurz, die letzte Zeit.

Mein Chef wusste Bescheid, und sollte die Kollegen informieren, dass in den nächsten Wochen nicht mit mir zu rechnen ist.

An unserer Weihnachtsfeier konnte ich nicht teilnehmen, ich war einfach viel zu schwach und sprechen ging gerade so wieder, weil sie eine Speiseröhren Untersuchung ( Panendoskopie )und die Beatmung mit einem Schlauch oä. durchgeführt haben.

Meine Stimme war eine Mischung aus Zigarre und einigen Jack Daniels.

Mein Chef fragte mich, ob er mich besuchen darf. Ja, na klar.

Er brachte mir ein paar kleine Geschenke und selbstgebackene Kekse von seiner Frau. Sehr lieb, da habe ich mich sehr gefreut.

Die Fäden wurden dann 11 Tage später gezogen.

Bei einer dortigen Sonographie wurde in meiner linken Lunge ein sogenanntes „Hamatom“ gefunden. Sehr wahrscheinlich ein Geweberest mit eingeatmeten Kleinpartikeln welche sich unten gesammelt haben.

Aus diesem Grund habe ich einen 3 Monats Nachsorge Rhythmus.

Um zu kontrollieren ob dieses Hamatom sich verändert.

Da sich meine seelische Verfassung kein Deut verbessert hat, habe ich mir über die Krankenkasse eine Therapeutin gesucht um mit meinem Kummer irgendwie klar zu kommen. Sage und schreibe 12 Termine wurden mir genehmigt.
Wie großzügig von der Kasse.

Ich denke dass das nicht reichen wird.

Nach 2,5 Monaten krankscheibung bin ich dann wieder zur Arbeit gegangen.

Bis hier hin erstmal.
Der Rest kommt später dran.

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